Der Apostel Johannes spielte im Alter gern mit einem zahmen Rebhuhn. Eines Tages besuchte ihn ein Jäger und wunderte sich, dass ein so wichtiger Mann wie ein Kind mit einem Vogel spielte und fragte: „Du könntest große und wichtige Dinge tun und spielst mit einem Rebhuhn. Warum vertust du die kostbare Zeit mit einem nutzlosen Spiel?“ Johannes schaute den Jäger nachdenklich an und stellte eine Gegenfrage: „Weshalb ist der Bogen auf deinem Rücken nicht gespannt?“ „Er würde seine Spannkraft verlieren, wenn er immer gespannt wäre. Wenn ich ihn beim Jagen brauchte, hätte er keine Kraft mehr.“ Johannes antwortete: „Das Leben ist wie ein Bogen. Es kann nicht immer angespannt sein. Sonst würde es seine Kraft verlieren. Jeder Mensch braucht, um seine Spannkraft zu erhalten, die Phasen der Entspannung. Und wenn er dann wieder gefordert ist, hat er die nötige Kraft zum Handeln und Wirken.“

Jesus ist kein Sklaventreiber. Er will keine abgehetzten und überforderten Jünger. Er gönnt uns Ruhepausen. Und die Zeit, die wir uns zur Stille, zum Spielen und Feiern nehmen, ist keine verlorene Zeit. Schöpferische Kräfte wachsen hier am besten. Erschöpfungszustände kommen aus Rastlosigkeit und Hetze. Jesus möchte, dass wir schöpferische Menschen und nicht erschöpfte Leute sind.

Das Jahr 2010 wird in vielen Gemeinden als „Jahr der Stille“ begangen. Bei uns in Elia begibt sich eine ganze Gemeinde – von den Kindern bis zu den Senioren – gemeinsam auf eine geistliche Reise. Die Teilnehmer lesen jeden Tag ein Kapitel aus dem Buch „Stille – 40 Tage Gott erleben“, treffen sich wöchentlich in Kleingruppen, um sich über das Gelesene auszutauschen und feiern inspirierende Gottesdienste, die das Thema der Woche einführen. Ziel ist, in der Stille dem zu begegnen, der dem Leben Halt und dem Sterben Inhalt gibt, dem, der alle Sehnsucht stillt. „Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ (G. Tersteegen)

Klaus Dörrie, Pastor der Eliagemeinde

erschienen als „Quergedacht“ im Langenhagener Echo im Februar 2010

Komm zur Ruhe!

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