Ein Mann kehrte heim nach Amerika, nachdem er 40 Jahre in Afrika als Missionar gearbeitet hatte. Er stand auf dem Deck, als sich das Schiff dem Ziel näherte und schaute zum Hafen. Was er dort zu sehen bekam, überraschte ihn sehr: Ein Orchester wartete, ein roter Teppich war ausgerollt und eine große Volksmenge mit Flaggen und Wimpeln stand dicht gedrängt. Einen Augenblick lang überlegte er bei sich, ob das wohl eine Willkommenszeremonie für ihn sein könnte, arrangiert von seiner Missionsgesellschaft. Nein, das konnte eigentlich nicht sein. „Was ist das für ein Volksauflauf da vorne im Hafen?“, fragte er eine Mitreisende. „Wissen Sie das nicht? Der amerikanische Präsident ist an Bord. Er war für eine Woche in Afrika, und nun warten alle darauf, ihn in Empfang zu nehmen“, antwortete die Frau. – Der Präsident verließ natürlich als Erster das Schiff, dann die Bodyguards und die übrige Gesellschaft, zuletzt die einfachen Passagiere. Als der Missionar das Schiff verließ, war der rote Teppich bereits wieder zusammengerollt, das Orchester war verschwunden und ein einsamer Straßenkehrer fegte die Reste der Festlichkeit zusammen.

Der Missionar suchte sich ein Hotelzimmer und warf sich auf das Bett. „Lieber Gott, das verstehe ich nicht“, weinte er. „Der Präsident war eine Woche lang weg und bekam einen fantastischen Empfang. Ich war 40 Jahre lang in Afrika, um dir zu dienen, aber niemand hat mich zu Hause willkommen geheißen.“ Da hörte er eine Stimme in sich: „Aber du bist doch noch gar nicht zu Hause!“

Das stimmt. „Unsere Heimat ist im Himmel. Von dort erwarten wir auch Jesus Christus, unseren Retter. Dann wird unser hinfälliger, sterblicher Leib verwandelt und seinem auferstandenen, unvergänglichen Leib gleich werden. Denn Christus hat die Macht über alles.“ (Phil. 3, 20-21) Und: „Was wir jetzt leiden müssen, dauert nicht lange und ist leicht zu ertragen, wenn wir bedenken, welch unendliche, unvorstellbare Herrlichkeit uns erwartet.“ (2. Kor. 4, 17)

Pastor Klaus Dörrie

Erschienen als „Quergedacht“ im Langenhagener Echo, November 2011

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