Aber nicht so, wie Sie gerade denken. Es gibt ja viele Kreuze: Autobahnkreuze, Fensterkreuze oder einer will den andern auf’s Kreuz legen oder ich hab’s wirklich im Rücken. Als zentrales Zeichen der Christen findet sich das Kreuz in Kirchen, auf Grabsteinen, als Wandschmuck, auf den Flaggen des DRK oder der Schweiz oder auch als Kettchen am Hals. Was denken wir uns beim Ansehen oder Tragen eines Kreuzes? Ist es uns gleichgültig? Dabei war das Kreuz ein Hinrichtungswerkzeug. Der Kreuzestod war besonders schrecklich. Unter wahnsinnigen Schmerzen wurden durch die aufgehängten Arme Herz- und Atemmuskulatur eingeschnürt. Es kam zum langsamen Tod durch Ersticken.

Für Christen geht es beim Kreuz immer um unsere Schuld, die Jesus ans Kreuz getragen hat, aber auch um unsere Rettung. Und damit ist das Kreuz auch Grund zur Freude: Denn wo einem das Leben gerettet wird, ist doch wahrhaftig viel Grund zur Freude. Gleichzeitig ist Lebensrettung aber auch wieder eine ernste Sache, zumal dann, wenn die Rettungsaktion den Lebensretter sein Leben kostet. Genau um diese blutige, ernste, froh machende Angelegenheit, um unsere Lebensrettung durch Jesus, geht es beim Kreuz.

Der Stifter der Herrenhuter Brüdergemeinde, Graf von Zinzendorf (1700 –1760),war ein entschiedener Mann für Jesus, aber es war nicht immer so gewesen. Sein Schlüsselerlebnis mit dem Kreuz: Er war auf einer Studienreise, als er in einer Gemälde- galerie in Düsseldorf von Jesus in einer Weise angesprochen wurde, die er nie mehr vergaß: In jener Galerie hing ein Bild eines italienischen Malers, das den Mann von Golgatha mit Dornenkrone darstellte – und darunter die Frage, in deutscher Übersetzung: „Das tat ich für dich, was tust du für mich?“ Zinzendorf überlegte, und dann wurde ihm glasklar wie noch nie: Ich muss dem Herrn für sein Leiden danken, ihm danken, dass er für mich gestorben ist! Nun nahm sein Christsein die entscheidende Wende: Von der Motivation der Dankbarkeit getrieben, wollte er nun sein Leben weiterführen.

Klaus Dörrie

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