Die Wanderung soll frühmorgens losgehen und den ganzen Tag dauern. Also ist das Nötigste mitzunehmen: Wasser, Äpfel, Brot, Taschenmesser, Landkarte, Handy, Sonnenmilch, Kamera, Fernglas. Aber dann kommt doch wieder mehr in den Rucksack, als nötig ist, man kann ja nie wissen. Und was ist die Folge? Die Sonne drückt und der Rucksack noch viel mehr.

Das ganze Leben ist eine solche Wanderung. Sie ist nicht leicht. Aber wir machen unsere Lebensreise schwerer, als sie ohnehin schon ist. Wir laden uns jeden Tag immer noch mehr Sachen auf die Schultern als die, die dieser Tag ohnehin schon mit sich bringt. Als könnten wir von Problemen nie genug bekommen; als sei dieser Tag nicht schon voll genug damit, nein, er muss noch voller werden! Deshalb haben die meisten von uns Übergewicht, was die Sorgen betrifft. Wir müssten abspecken, überflüssigen Ballastlos werden. Genau das empfiehlt Jesus: Eine Abmagerungskur. „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“
(Mt. 6, 34) Es geht nicht um die Abschaffung der Sorge, sondern um ihre Reduzierung auf ein vernünftiges Maß. Jeder Tag hat eine bestimmte Portion an Tagessorgen, die berechtigt, vielleicht notwendig sind. Damit ist denn aber auch gut! Alle weiteren Sorgen sind „die Zinsen, die wir im Voraus für die Plagen des morgigen Tages bezahlen.“, sagt Stanley Jones. „Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ Klüger ist: Mach aus Sorgen ein Gebet. D. h. tue den Vertrauensschritt, gib deine Sorgen bei Gott ab. Er ist größer als alles, was dich bewegt und ängstigt. Er will für die sorgen, die durch Jesus seine Kinder geworden sind. Dietrich Bonhoeffer drückte dieses Vertrauen einmal so aus: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“

Pastor Klaus Dörrie

Erschienen als „Quergedacht“ im Langenhagener Echo, Juni 2010

 

Unnötiges Gepäck

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