Ein Afrika-Missionar sitzt vor 60 halbverhungerten Frauen, meist Witwen. Im Umkreis von 100 km war in den Dörfern praktisch nur Mais angebaut worden, der wuchs 50 cm hoch und vertrocknete dann. – Und er denkt an die vielen traurigen und depressiven Deutschen. In Gedanken bringt er sie mit diesen 60 Frauen zusammen und möchte ihnen zurufen:

„Wer von euch hat letzten Monat Malaria gehabt? Wer von euch hat gerade Läuse? Wer von euch kann nachts nicht schlafen, weil er Flöhe suchen muss? Wer von euch muss 10% bis 40% seines Verdienstes an die Mafia bezahlen, zum Schutz vor seinem Nachbarn, der aus einem anderen Volksstamm kommt? Wer von euch hat Gott heute schon gedankt, weil er sein Wasser nicht an der Quelle holen musste? In den Gefängnissen Deutschlands gibt es 3 Mahlzeiten am Tag und die Klospülung ist hundertmal sauberer als das Trinkwasser hier! Wer von euch fürchtet sich vor den Landminen im Wald, die eine fremde Macht dort verlegt hat? Wer von euch muss um seinen Arbeitsplatz fürchten, weil er im Gottesdienst gesehen worden ist? Wer von  euch leidet an einer schweren Krankheit, die mit unerreichbaren 10 Euro leicht heilbar wäre? Welcher Jugendliche muss 30 Jahre arbeiten, bevor er auch nur ein Fahrrad kaufen kann? Wer von euch sollte unter einem Moskitonetz schlafen und kann es sich doch nicht leisten? Wer von euch kann sich nur gebrauchte Unterwäsche kaufen? Wer von euch muss mit einer Steinschleuder einen Vogel abschießen, damit es wenigstens zu Weihnachten einen Braten gibt? Wer von euch hat noch nie einen Arzt gesehen, weil dieser viel zu teuer ist? Wer von euch badet im Abwasser seiner Nachbarn, putzt die Zähne mit Wasser aus Pfützen? Wer von euch isst Knochen vom Schlachter, ohne diese zu kochen, weil kein Holz dafür da ist? Wer von euch geht jeden Abend um 7 Uhr ins Bett, weil es keinen Strom für Lampen gibt?“ Sein Fazit:

Wem es besser geht, der soll jeden Augenblick Halleluja rufen und seinen Nächsten vor Glück umarmen. An versteckter Stelle steht in der Bibel (Eph. 4, 28) etwas sehr Konkretes: „Arbeite und schaffe mit deinen Händen (deinem Kopf) das nötige Gut, damit du den Bedürftigen abgeben kannst.“

Pastor Klaus Dörrie

Erschienen als „Quergedacht“ im Langenhagener Echo, Oktober 2010

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