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Das Testament

Folgenden Flyer fand ich in meinem Hausbriefkasten: Der alte Mann war Millionär. Sein enormer Reichtum bestand aus vielen Originalen an Bildern und Skulpturen. Er war ein leidenschaftlicher Sammler und mit der Zeit unermesslich reich. Es hätte alles so problemlos laufen können, wenn da nicht die Sache mit dem Sohn gewesen wäre. Der war in jungen Jahren tödlich verunglückt und hatte eine schmerzliche Lücke im Leben des alten Mannes hinterlassen.

Als der Mann starb, hinterließ er ein Testament mit dem Inhalt, dass der ganze Besitz versteigert werden sollte, da er keine Erben hatte. Die Kunstkenner, Händler und Millionäre kamen von überall her, um an der Versteigerung teilzunehmen. Alle wollten sich diese Gelegenheit, eines der Kunstwerke zu ergattern, nicht entgehen lassen.

„Ehe die Versteigerung beginnt“, fing der Auktionator an, „wäre da noch eine Bedingung des Verstorbenen zu erfüllen, nämlich der erste Satz im Testament.“ Er nahm ein Bild des früh verstorbenen Sohnes aus seiner Mappe und verkündete: „Dieses Bild muss zuerst versteigert werden!“ Aber keiner der Anwesenden war an diesem minderwertigen Bild interessiert. Irgendein unbekannter Meister musste es vor Jahren wohl angefertigt haben. Aber Testament ist nun einmal Testament, und darum beharrte der Auktionator auf seiner Forderung.

Schließlich erhob sich hinten in der Ecke der alte Butler des Millionärs und sagte: „Ich habe den Jungen gekannt, ich möchte das Bild ersteigern.“ Da es keinerlei Konkurrenzangebote gab, bekam er das Bild für ein paar Euro, also praktisch umsonst.

„Damit, meine Damen und Herren“, ergriff der Auktionator wieder das Wort, „ist die Versteigerung beendet.“ Ein eisiges Schweigen legte sich über den Raum. „Beendet?“, hörte man eine Stimme. „Sie hat ja noch gar nicht richtig angefangen!“ Und der Auktionator fuhr fort: „Der zweite Satz im Testament des Verstorbenen lautet: „Wer den Sohn hat, hat alles.“ Alles Klagen, Bedauern und Beschweren half nichts; die Gelegenheit war endgültig verpasst. Trotzdem stand dieser Satz unerschütterlich im Raum: Wer den Sohn hat, hat alles.

Ein perfektes Beispiel für Gott und seine Liebe zu uns. Deshalb schickte er seinen Sohn mit dem Angebot in diese Welt: Wer an den Sohn glaubt, der hat das Leben. Der hat alles.

Klaus Dörrie

erschienen als „Quergedacht“ im Langenhagener Echo im September 2008

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